Autorin – Prof. Ursula Sury

 

Im Rahmen von Digitalisierungsprojekte werden Businessprozesse neu überlegt und dokumentiert. Gegenstand der Businessmodelle und –prozesse ist heute praktisch immer die Bearbeitung von Informationen.  Diese Informationen haben häufig einen Bezug zu natürlichen Personen und somit muss man sich zwingend die Rechtskonformität mit dem Datenschutz und konkret bei EU-Bezug mit der Datenschutzgrundverordnung überlegen.

Die EU-Datenschutzgrundverordnung (und auch das aktuelle Schweizer Recht!) verlangt, dass Personendaten nur mit ausdrücklicher Einwilligung der betroffenen Person oder mit klarer gesetzlicher Grundlage bearbeitet werden. Zudem muss die Bearbeitung verhältnismässig und sicher sein. Die sichere und verhältnismässige Bearbeitung muss transparent gemacht und somit dokumentiert werden.

Bei und in Digitalisierungsprojekten muss den Datenschutzanforderungen nachgelebt werden. Die Betroffenheit von natürlichen Personen muss vorgängig abgeklärt werden. Das nennt sich Privacy Impact Assessment. Zudem muss der Datenschutz sowohl organisatorisch als auch IT-mässig für den Regelfall umgesetzt werden. Das heisst heute Privacy by design und Privacy by Default. Auch hier ist wieder Dokumentation gefragt.

Digitalisierung als Vernetzung und Bearbeitung von Informationen betrifft immer auch personenbezogene Daten und diese müssen die Datenschutzgesetzgebung der EU und/oder der Schweiz aktuell und in Zukunft berücksichtigen. Neu sind vor allem die Dokumentationspflicht  und die Sanktionen.

Autor – Peter Gassmann, Chief Consulting Officer AdNovum Informatik AG

 

Man kennt die Top-10 Trend Listen: aktuell stehen Blockchain, künstliche Intelligenz, Chatbots und weitere Hype-Themen bei den Analysten hoch im Kurs. Informatik-Dienstleistungsfirmen müssen sich an solchen Themen orientieren, damit kann Aufmerksamkeit erzeugt werden. Doch wie können klassische Unternehmen abschätzen, welche Relevanz sich aus diesen Themen ergibt? Im Endeffekt geht es immer um das Potential einer Technologie. Kann damit Effizienz verbessert werden, können neue Dienstleistungen entwickelt werden, oder werden eigene Dienstleistungen oder Produkte obsolet? Es braucht somit eine laufende Analyse und Einschätzung, damit der Einfluss auf die Firmenstrategie geklärt werden kann. Ein bewährtes Vorgehen sieht folgendermassen aus:

  1. Beobachtung und Identifikation: Markt und Trends beobachten, um Technologien frühzeitig auf die eigene Kandidatenliste zu bringen
  2. Einschätzung der zukünftigen Bedeutung: welche Risiken und Chancen könnten auf Basis der Technologie entstehen? Welche Bedeutung – klein / mittel / gross – hätte die Technologie auf das eigene aktuelle und zukünftige Geschäft? Kann eine neue Technologie branchenfremden Firmen den Markteintritt erleichtern?
  3. Einordnung und Priorisierung: welche Technologien haben vermutlich einen kleinen / mittleren / grossen Impact? Worauf sollen die beschränkten Mittel fokussiert werden?
  4. Auf eine Zeitachse legen: kurzfristig anpacken, mittelfristig erarbeiten, langfristig beobachten
  5. Projekte und Budget definieren: eigene Skills und Wissen aufbauen, Skills einkaufen, Partnerschaften suchen

Als Arbeitsmittel haben sich grafische Darstellungen, z.B. Quadranten-Modelle und Zykluskurven, bewährt. Es empfiehlt sich auch festzuhalten, was man aus welchen Gründen nicht verfolgen wird, damit nicht ständig dieselbe Diskussion geführt werden muss.

Inspiration zu neuen Technologien findet man an vielen Orten, man muss nur die einschlägigen Veranstaltungen besuchen. Um einen Plan zu erarbeiten braucht es aber doch etwas Transpiration: ein tieferes Verständnis für das Potential erarbeiten und dann die Reflektion mit Bezug zum eigenen heutigen und zukünftigen Geschäft ist ganz normale harte Denkarbeit. Der Nutzen, der sich daraus ergibt, ist aber mit Sicherheit so wertvoll, dass sich diese Arbeit lohnt!

 

Peter Gassmann ist bei AdNovum Informatik AG als Chief Consulting Officer für die Beratungsdienstleistungen zuständig.

Autor – Flavio Niederhauser

 

Jedes Jahr treffen sich die Entscheidungsträger der digitalen Wirtschaft in Köln an der DMEXCO – diese Messe streckt sich über zwei Tage und findet immer Ende Sommer in Köln statt. Dieses Jahr waren die Themen Blockchain, Künstliche Intelligenz und Virtual Reality die grossen Themen.

In den sechs Hallen präsentierten sich neben den ganz grossen Playern wie Amazon, Facebook, Google, etc. auch diverse Agenturen, die einen starken Bezug zur digitalen Welt haben. Insgesamt sind ca. 1’100 Aussteller sowie 40’000 Besucher vor Ort – der ideale Ort um das Netzwerk in diesem Bereich zu erweitern oder pflegen.

Virtual Reality im Vormarsch
Schnell wurde einem klar, dass im Bereich Online Marketing das Thema Virtual Reality an Priorität gewinnt. Diverse Anbieter präsentierten ihre neusten Brillen zur virtuellen Welt. Sie zeigten auf, wie man mit dieser Technologie eine wirklich reelle Welt schaffen kann. Unternehmen können dank dieser Technologie ihren Kunden ganz neue Erlebnisse schaffen – z.B. Präsentation von einer Produktionsmaschine inkl. Schulung. Dank diesen Anwendungsbeispielen ist das ganze Thema greifbar sowie verständlich.

Die Künstliche Intelligenz – dein Freund oder Feind?
Beim Thema der Künstlichen Intelligenz (KI) wurde ein Thema heiss diskutiert: Dank der KI können wir mit den Maschinen (oder Produkten) einen direkten sprachlichen Austausch führen (direkte Kommunikation). Hier sehen viele Experten die Herausforderung, dass die AI keine eigene Markenstimme besitzt und folglich kommt die Tonalität mit dem User emotionslos sowie austauschbar daher. Diese Problematik gilt es im Marketing zu berücksichtigen. Man stelle sich vor, ein sprachgesteuertes Betriebssystem entscheidet, welche Produkte oder Dienstleistungen die Nutzer kaufen sollten. An den Podiumsdiskussionen waren die anschliessenden Fragerunden immer kontrovers und sehr spannend. Hier hat man richtig gespürt, dass die KI ein relevantes Thema für die Unternehmen ist.

Warum sich ein Besuch an der DMEXCO lohnt?
Ein Besuch an der DMEXCO ist zu empfehlen. Erstens kann man sich von den neuen und vielseitigen technologischen Möglichkeiten inspirieren lassen. Zweitens können die neuen Innovationen direkt vor Ort ausprobiert werden. Dank den Konferenzen kann ein gewünschtes Thema vertieft werden – Ausbau Wissensstand. Und ein weiterer Punkt ist der direkte Austausch mit gleichgesinnten aus dieser Branche. Es ist wirklich die ideale Messe, um sein Netzwerk zu erweitern. Hier ist vor allem die Party (immer am ersten Messetag) zu erwähnen, wo man sich in einer inspirierenden Atmosphäre ungezwungen austauschen kann.

Wir von der Chief Digital Community können einen Besuch in Köln nur empfehlen. Falls Sie Fragen zur DMEXCO haben, können Sie sich jederzeit bei uns melden. Wir geben gerne Auskunft…

Autor – Martin Zenhäusern

 

Im Gegensatz zur Maschine braucht der Mensch Vertrauen und Empathie, Orientierung und Identifikation. Deshalb ist der Vorgesetzte in der Moderne ein analoger Chef, der die Möglichkeiten der neuen Technologien zum Vorteil der Mitarbeitenden und des Unternehmens nutzt. Und nicht ein digitaler CEO, der sich hinter der Technik verschanzt. Die digitale Transformation – richtig angewendet – bereichert die Möglichkeiten der Führung und Kommunikation.

Die Führung ist in den letzten zehn Jahren zweifelslos anspruchsvoller geworden. Wo gestern relativ starre Hierarchien gelebt wurden, ist heute eher Liquid Leadership angesagt. Ein CEO kann seine Mitarbeitenden wie ein Fussballteam führen (kollaborativer Wettbewerb) oder eher wie der Dirigent eines Orchesters (kompetitive Zusammenarbeit). Letztlich ist weniger das Führungsmodell entscheidend als vielmehr der persönliche Stil, der zuerst gefunden und dann entwickelt werden will. Wenn mir in Seminaren und Workshops die Frage gestellt wird: «Was ist der ideale Führungsstil in der digitalen Welt?», dann lautet meine Antwort: «Es gibt ihn nicht.» Unterschiedliche Situationen und Menschen erfordern unterschiedliches Führungsverhalten. Wir leben in einer Wirtschaft der Diversität. Deshalb sind moderne Führungskräfte gefordert, situativ zu führen, und dies basierend auf einer klaren Wertehaltung. Dabei ist es wichtig, dass wir den jeweiligen Reifegrad der einzelnen Mitarbeiter berücksichtigen und sie dort abholen, wo sie aufgrund ihrer Entwicklung gerade stehen. Hier folgt meistens der Einwurf: «Ich kann doch nicht jeden Einzelnen individuell führen!» Doch, das geht. Denn in der Regel führen wir nur eine gute Handvoll Menschen direkt. Nachdem die wesentlichen Informationen über die geeigneten Kanäle vermittelt worden sind, stellt eine kluge Führungskraft sicher, dass seine Botschaft auch bei jedem einzelnen Direktunterstellten richtig ankommt. Wer sich die Zeit für diese Einzelgespräche nimmt, gewinnt viel Zeit, weil er damit Missverständnisse vermeidet. Egal, welchen Führungsstil wir pflegen oder welche Mischformen wir anwenden – entscheidend für den Erfolg sind folgende Faktoren:

 

Erstens: Authentisch sein und bleiben. Dazu gehört, dass wir als Mensch und Führungskraft transparent und berechenbar sind.

Zweitens: Wertebasiert führen. Die gemeinsam definierten Werte bilden die Leitplanken für eine erfolgreiche Zusammenarbeit und eine nachhaltige Führung.

Drittens: Alle wesentlichen Informationen rasch, verständlich und stufengerecht vermitteln. Was gute Chefs ausmacht – gerade in der digitalen Welt – und damit

Viertens: Sie sind präsent. Sie zeigen sich. Sie sprechen die Menschen an. Sie loben (vor allen). Sie kritisieren (unter vier Augen). Sie richten auf. Sie leben vor. Sie haben und nehmen sich Zeit.

 

Mit Social Media, Twitter und E-Mails kann man vielleicht versuchen, eine Nation zu führen – nicht jedoch ein Unternehmen. Die neuen Technologien unterstützen. Der Mensch entscheidet.

 

Dieser Artikel erschien in der UnternehmerZeitung 6/7 – 2018 (Hier Artikel als PDF herunterlad

Autor – Dr. Prof. Sita Mazumder

 

CHIEF DIGITAL COMMUNITY – Ende 2017 wurde die Plattform Chief Digital Community (CDC) gegründet. Sie möchte den KMU als Sparringpartner in der digitalen Transformation zur Seite stehen. Denn vielen Unternehmen fehlt die Übersicht. Sie wissen nicht, wo mit der Transformation beginnen, sagt CDC-Präsidentin Sita Mazumder.

 

Frau Mazumder, Ende 2017 haben Sie gemeinsam mit Partnern der Wirtschaft die «Chief Digital Community» (CDC) aus dem Departement Informatik der Hochschule Luzern heraus gegründet. Warum?

Wir beobachten schon eine ganze Weile, dass zahlreiche der Plattformen und Initiativen im Bereich der digitalen Transformation von grossen Unternehmen getrieben sind. Entsprechend sind die Angebote zu wenig konkret und zu wenig auf die Situation der KMU geschnitzt. Da die KMU das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft bilden, wollen wir mit der CDC diese Lücke füllen.

 

Was sind die Ziele des Vereins?

Kurz gesagt: Wir sind der Sparringpartner der Schweizer KMU für die erfolgreiche digitale Transformation. Wir unterstützen und begleiten diejenigen Personen in KMU, die die digitale Transformation an die Hand nehmen, und zwar indem wir orientieren, einordnen, vernetzen, umsetzen und teilen.

 

Was ist Ihre persönliche Motivation als Präsidentin des Vereins?

Ich stamme aus einer Unternehmerfamilie und arbeite seit langem und gerne mit KMU zusammen. Anders formuliert: Mir ist die Situation der KMU sehr bewusst und als Betroffene brennt sie mir unter den Nägeln. Entsprechend ist die CDC für mich eine logisch richtige Initiative, die mir aber auch persönlich sehr am Herzen liegt.

 

An privaten und politischen Initiativen rund um das Thema digitale Transformation mangelt es ja nicht. Was will die CDC anders machen?

Die Mehrheit der Initiativen sind von Grossunternehmen getrieben. Das ist nicht zu werten, aber es bedient nur einen Teil des Marktes. Wir fokussieren uns in allem, was wir tun, auf die KMU, auf deren Situation und Gegebenheiten, die sich in aller Regel von jenen bei Grossunternehmen unterscheiden. Unsere Aktivitäten müssen «hands-on» und bodenständig sein, dürfen nicht auf der Makroebene bleiben und dann die konkrete Umsetzung offen lassen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist auch, dass wir eine Initiative des Departements Informatik der Hochschule Luzern (HSLU) sind. Entsprechend verbinden wir als neutrale Plattform die angewandte Wissenschaft der HSLU mit dem Marktwissen unserer Kooperationspartner und unseres Netzwerks.

 

Sie arbeiten mit Netzwerken zusammen, unter anderem mit KMU SWISS. Weshalb braucht es einen zusätzlichen Verein?

Wir fokussieren auf diejenigen Personen in den KMU, die für die digitale Transformation zuständig sind, welche Funktion, welchen Rang oder welche Bezeichnung sie auch immer haben. Sie unterstützen und begleiten wir, damit das KMU erfolgreich die digitale Transformation meistern kann. KMU SWISS als einer unserer Kooperationspartner ist breiter aufgestellt, was Themen und Zielgruppe anbelangt. Die Initiative ist also leicht anders ausgerichtet. Die CDC als neutrale Plattform nahe der angewandten Wissenschaften hat zum Ziel, gute Initiativen im Netzwerk zusammenzubringen und für unsere KMU-Community zielgerichtete Angebote transparent zu machen.

 

Der Verein will KMU praxisnah bei der digitalen Transformation unterstützen. Was dürfen Unternehmen vom Netzwerk erwarten?

Konkreten, bodenständigen Inhalt. Das klingt banal, ist aber Mangelware. Gerade beim Thema digitale Transformation wird überwiegend auf zu hoher Flughöhe gesprochen. Letztendlich geht es immer um die Frage, wie mit oft sehr beschränkten Ressourcen in einer sich schnell verändernden Welt das Geschäft so entwickelt werden kann, dass auch übermorgen noch profitabel gearbeitet werden kann. Ein Beispiel: Wir haben das Format der CDC Challenge ins Leben gerufen, bei welchem sich ein Unternehmen in Sachen digitale Transformation «auszieht». Die Teilnehmenden inklusive CDC-Vorstand challengen das Unternehmen in einer maximal 90-minütigen Session. Das Unternehmen erhält umsetzbare Inputs und die Teilnehmenden lernen von einem konkreten Case. Wir durften bereits eine CDC Challenge bei Arcmedia in Luzern durchführen und es war absolut toll. Die nächste Challenge wird im Juni bei Mobility in Rotkreuz stattfinden.

 

Was wird eigentlich transformiert in der digitalen Transformation?

Plakativ gesagt: alles. Zunächst mal ist die digitale Transformation für jedes Unternehmen individuell. Es gibt hier keinen Sieben-Punkte-Plan zum Erfolg. Wir unterscheiden in unserer CDC-Methode folgende Bereiche, die ineinandergreifen und deren Gewichtungen für jedes Unternehmen anders ausfällt: Kunden, Kollaboration, Prozesse, Portfolio, Security und Reputation. Im Kern steht immer der Business Case: Wie verdient man in Zukunft Geld? Die Frage stand schon immer im Zentrum der unternehmerischen Entscheidung. Das ist nichts Neues, aber Kriterien und Parameter haben sich durch die zunehmende Digitalisierung und insbesondere in der digitalen Transformation verändert.

 

Verändern sich durch die Transformation auch die Prinzipien von Unternehmensführung und Zusammenarbeit?

Absolut. Alle Bereiche der Trilogie «Strategie, Kultur und Struktur» werden verändert, also auch sämtliche Querschnittsbereiche wie untere anderem die Unternehmenskultur, das Führungsverständnis und die Aufbauorganisation. Das eine geht nicht ohne das andere. Stellen Sie sich vor, Sie wollen in einer Firma eine agile Organisation realisieren, leben aber immer noch komplexe Hierarchien, lange Dienstwege und starres Rangordnungsführungsgebaren. Das führt eher früher als später zu ineffizienten Prozessen, unzufriedenen Mitarbeitenden, Abnahme der Qualität, Zunahme von Risiken, Kundenverlust und vielem mehr.

 

Wird das disruptive Potenzial der Transformation Ihrer Meinung nach unterschätzt?

Aus unseren Erfahrungen mehrheitlich schon, wobei die Gründe unterschiedlich sind. Einigen Organisationen ist noch nicht bewusst, was die digitale Transformation im Kern verändert, nämlich den Business Case. Mit einer App für Kunden ist es darum nicht getan. Andere wiederum sind sich bewusst, dass der Wandel tiefgreifend ist, sind aber mit offenen W-Fragen konfrontiert: wer, was, wann, wo, warum, wie, wozu? Dann wiederum gibt es Firmen, die sich auf den Weg der digitalen Transformation begeben haben und vom Ausmass und den daraus sich ergebenden Effekten überrollt werden. Immer wieder sehen wir auch Organisationen, wo Bedenken und Befürchtungen Veränderungen verhindern.

 

Die Medienbranche spürte den Umbruch als eine der ersten. Am Finanzplatz ist einiges im Gange und der Onlinehandel boomt. Welche Branche kommt als nächstes?

Wenn eine Branche den Umbruch zu spüren bekommt, heisst das nicht, dass da auch am meisten transformiert wird. Nehmen wir die Finanzbranche. Das Geschäftsmodell wurde bisher kaum verändert, obwohl Entwicklungen wie Kryptowährungen dieses in Frage stellen. Auf der anderen Seite lesen wir kaum etwas über die Pharmabranche, die sich bereits früh auf die Reise begab. Und wenn wir schon beim Reisen sind: Das Sterben der Reisebüros ist nach wie vor im Gange, auch deshalb, weil kein neuer Business Case gefunden wurde. Insofern hoffe ich sehr idealistisch darauf, dass nicht ein spezifischer Branchendruck, sondern eine weitflächige Sensibilisierung der Firmen dazu führen wird, die digitale Transformation erfolgreich zu meistern. Proaktiv ist hier besser als reaktiv.

 

Was bereitet den Unternehmen in diesem Prozess besondere Mühe?

Für viele Unternehmen ist es ein «DigiDschungel». Das Thema ist riesig, die Buzzwords zahlreich und die Frage, wo und wie man beginnen soll, ist für viele KMU die erste grosse Hürde. Das führt oft dazu, dass die Unternehmen die Transformation nicht aktiv angehen, sondern sich reaktiv treiben lassen. Konkreter: Datensicherheit ist ein grosses Thema, aber anstatt sich proaktiv mit der eigenen Situation bezüglich Datensicherheit auseinanderzusetzen und Massnahmen zu ergreifen, wird bei einer Gefahr oft reaktiv das Nötigste getan, um diese zu mitigieren.

 

Je mehr Geschäftstätigkeiten digital abgewickelt werden, desto grösser ist das Schadenpotenzial von Cyberangriffen. Kleinere Unternehmen sind in ihren Mitteln aber oftmals beschränkt. Wie geht man das Thema professionell an?

Das Wichtigste ist zu realisieren, dass Datensicherheit nicht primär ein IT-Problem ist, sondern ein Personenthema. Es braucht eine professionelle Analyse und Einschätzung der Risiken, die alsdann im Rahmen eines modernen Risikomanagements zu bewirtschaften sind. Die Massnahmen auf der technologischen Seite sind notwendig, aber nicht hinreichend. Es gehört heute dazu, IT-seitig den Schutz aktuell zu halten, der grösste Risikofaktor ist aber nach wie vor der Mensch. Dieser Tatsache wird oft zu wenig Rechnung getragen und wir Menschen klicken einfach zu gerne auf Nachrichten, wenn da beispielsweise das schnelle Geld, wahre Liebe oder ewige Jugend versprochen wird.

 

Sehen Sie auch Gefahren der Digitalisierung – sowohl für den Einzelnen als auch für uns als Gesellschaft?

Natürlich, und nicht zu knapp. Wo es Möglichkeiten gibt, lauern auch Gefahren. Ich möchte nur ein paar wenige herauspicken: Die Digitalisierung überfordert viele Menschen, Stichwort «digitales Burnout». Social Media kann, wie wir jüngst erlebt haben, zu manipulativen Zwecken eingesetzt werden und damit die Gesellschaft verändern. Als Volkswirtschaft werden wir Branchen wegfallen sehen, weil sie nicht mehr benötigt werden, und wir werden bisher erfolgreiche Firmen «sterben» sehen, weil sie gemäss Wiliam G. Pollard, dem amerikanischen Physiker, irrten: «Die Arroganz des Erfolgs ist zu glauben, dass das, was man gestern gemacht hat, auch morgen noch genügen wird.»

 

Eine letzte Frage: Was ist das Schöne an der Digitalisierung?

Wir müssen Digitalisierung und digitale Transformation unterscheiden. Digitalisierung machen wir ja schon sehr lange und als Tech-Freak schlägt mein Herz bei technologischen Innovationen und deren Möglichkeiten höher. Die digitale Transformation ist tiefgreifender und existenzieller für die Firmen. Neue Geschäftsfelder tun sich auf, bisherige gehen zu. Technologische Werkzeuge verändern sich schnell, die Vernetzung nimmt stark zu und stehen bleiben ist keine Option mehr. Um es mit einem Zitat des Wirtschaftsprofessors Oren Harari auszudrücken: «Das elektrische Licht wurde nicht als Weiterentwicklung von Kerzen erfunden.» Ich finde es berauschend, für Firmen das elektrische Licht zu entwickeln.

 

Dieser Artikel erschien in der UnternehmerZeitung 5 – 2018 (Hier Artikel als PDF herunterladen)